Laichzeit!
Laichplatz nach Baggerung

Hi Leute;

mit diesem Bericht möchte ich insbesondere diejenigen unter Euch ansprechen, die auch in einem Angelsportverein als Gewässerwart aktiv sind oder werden wollen. Jedoch sollte er auch für die übrigen Leser nicht uninteressant sein, da man ja bekanntlich immer was dazulernen kann.

Schreiben möchte ich über die Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren bei unseren Bemühungen um das Verbessern des Brutaufkommens in unserem Baggersee gemacht haben.

Dieses, in meinen Augen große Ziel sind wir angegangen, da als erstes immer wieder Diskussionen um Besatzmaßnahmen von Seiten der Natur- und Umweltschützer über die Sinnhaftigkeit und den nachhaltigen Erfolg von Besatzmaßnahmen, sowie der Verbände aufkommen. Zum anderen kann ein Verein viel Geld sparen, wenn er in den gepachteten Gewässern ein natürliches Brutaufkommen vorhandener Fischarten hat. Auch bergen Besatzmaßnahmen immer einige Risiken, die man nicht vorhersehen kann. Zum Beispiel eingeschleppte Fischkrankheiten, Parasiten, genetische Veränderung der heimischen vorkommenden Fischarten, Eingriff in das Ökosystem usw. Die Fischzüchter werden mich hierfür jetzt wieder steinigen, da sie ja einwandfreie Besatzfische garantieren aber, naja.

Um dieses Thema allerdings so verständlich und auch ausführlich wie möglich beschreiben zu können, vorab ein paar Informationen die nicht allen unbekannt sein dürften, anderen wieder sehr wohl.

Damit die Fische und auch die Brut optimale Vorraussetzungen vorfinden, müssen einige Randbedingungen erfüllt sein:

Die Wassertemperatur muss stimmen, sowohl beim Vollziehen des Laichgeschäfts als auch beim Heranreifen des Laichs selbst. Für den Karpfen z.B. werden hier Wassertemperaturen zum Vollzug des Laichgeschäfts von 16-22° in der Zeit von Mai bis Juli angegeben. Hinzu kommt noch eine Anzahl von Sonnenstunden die benötigt werden den Laich vollends im Köper auszubilden. Bei der Schleie z.B. liegt die Laichtemperatur höher (20-24°) und auch der Zeitraum wird auf den August ausgedehnt. Auf den ersten Blick sollte man also davon ausgehen können das in dem Gewässer wo sich Schleien vermehren, auch Karpfen und alle anderen Sommerlaicher angehen sollten. Die optimale Erbrütungstemperatur für Karpfenlaich liegt zwischen 20 und 23°. Dies wird jedoch in der freien Natur nicht immer der Fall sein und hat zur Folge, dass die Brut eben später schlüpft. Im Normalfall aber nach 4-8 Tagen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Wasserqualität und hier insbesondere der Sauerstoffgehalt des Wassers. Ist genügend Sauerstoff im Wasser gelöst, so sinkt die Gefahr der Verpilzung der Fischeier und somit absterben des Laichs. Auch für die Dottersackbrut ist dies, wie für fast alle Lebewesen, ein wichtiger Wert, da sie nicht wie der ältere Fisch voll funktionsfähige Kiemen besitzt und den Sauerstoff nur durch Diffusion aus dem umgebenden Wasser heraus aufnehmen kann. Der PH Wert sollte 6,5 nicht unter- und 8,5 nicht überschreiten. Optimal ist natürlich auch hier wieder der Wert PH7, da die Ammoniak Konzentration des Wassers direkt mit dem PH Wert und der Wassertemperatur in Verbindung steht und bei ansteigenden PH Werten und Wassertemperaturen mehr fischgiftiges Ammoniak aus Ammonium produziert wird. Es gibt hier sicherlich noch andere wichtige Werte, auf die ich aber nicht mehr näher eingehen möchte, da es den Rahmen sprengen würde.

Karpfen haben bekanntlich eine Vorliebe für überschwemmte Wiesen oder flache mit Wasserpflanzen bewachsene Bereiche um ihr Laichgeschäft zu vollziehen, dies gilt auch für viele weitere Fischarten. Dies ist ein weiterer wichtiger Punkt es sollte eine Örtlichkeit vorhanden sein, der z.B. einer überschwemmten Wiese oder einer ähnlichen Flachzone nahe kommt. Die Wassertiefe sollte 1m nicht überschreiten, auch sollte der Bereich frei von größeren Flächen von sog. Schwimmblattpflanzen (z.B. Seerosen) sein, um ein ungehindertes Eindringen des Tageslichts und damit eine schnelle Erwärmung zu gewährleisten. Diese schnelle Erwärmung bringt allerdings nicht viel, wenn der ausgewählte Bereich direkt dem Wind und damit wiederum schneller Abkühlung ausgesetzt ist.

Ist die Brut dann erst einmal geschlüpft und das Dottersackstadium beendet, so muss genügend Nahrung im Gewässer vorhanden sein, welche die Fischbrut bewältigen und aufnehmen kann. Nach dem Dottersackstadium wird sich das auf kleinere Fischnährtiere beziehen, wie z.B. Rädertiere (Rotatorien) oder Ruderfußkrebse (Copepoden). In späteren Entwicklungsstadien dann auch Wasserflöhe (Cladoceren) wie Daphnia und Bosmina um nur einige zu nennen.

So zurück zu unserem Vorhaben, eine optimale natürliche Vermehrung der Fischarten in dem von unserem Angelsportverein gepachteten Baggersee zu erreichen. Aus dem besagten Baggersee wurde 1968 begonnen Kies zu fördern. Anfang der 70er Jahre pachtete dann der Verein, den noch nicht fertig gestellten See an. Schon früh dachte man hier an die Errichtung von Laichmöglichkeiten für den Fischbestand. Zusammen mit dem Kieswerksbesitzer wurde dann ein Laichplatz in einem schon fertig ausgeschöpften Bereich des Sees angelegt. Dieser befindet sich direkt hinter oder besser gesagt auf einer Halbinsel. Damals wurde ein etwa 15m breites, 50m langes und 1m tiefes Becken ausgebaggert, das vorne einen etwa 5m breiten Durchlass zum Hauptsee hatte. Dieser Durchlass geht aber nicht direkt in einen tiefen Bereich des Sees, sondern mündet in einen etwa 0,5ha großen flachen Bereich mit einer Durchschnittstiefe von 1,5m. Anfänglich wurden hier in diesen ersten Jahren, abgesungene Tannenbäume versenkt, in der Hoffnung das die Fische daran ihren Laich abstreifen würden. Mit der Zeit entwickelte sich in diesem Bereich ein guter Schilf-, Gras und Baumbestand und auch im Laichplatz selbst wuchsen Seerosen und Laichkräuter. Nach und nach aber erlangten hauptsächlich die Weiden und Erlen die Überhand, so dass immer weniger Licht in das Becken gelangte. Da wo noch genügend Licht einfiel, machte sich in dem ehemals sehr guten Laichplatz, ein dichter Schilfgürtel breit, der dann zusammen mit dem einfallenden Laub der Bäume zu einer nahenden Verlandung und Verschlechterung des Bodensediments durch verfaulendes Laub usw. führte. Im Jahr 1998 nach langen Jahren in denen dieser Laichplatz in Vergessenheit geriet und nicht gepflegt wurde, fassten wir den Beschluss, uns mit einigen treuen Helfern daran zu machen zuerst einmal dem übermäßigem Baum und Heckenbestand um dieses Becken herum Herr zu werden. Bewaffnet mit Motorsägen, wurden in den nächsten drei Wintern etwa 1500 Arbeitstunden investiert, dieses Laichbecken und den davor liegenden Bereich wieder sichtbar zu machen und einen Lichteinfall zu erzielen. Blieb noch das Problem übrig, dass der dichte Schilfbestand der sich bedingt durch die niedrigen Wasserstände im Becken breit gemacht hatte, es den Fischen nicht mehr erlaubt hat, darin umherschwimmen zu können. Geschweige denn ihr Laichgeschäft zu vollziehen. Auch war das Becken zumeist in den Sommermonaten schon nahezu trocken gelegt, was schlecht für die heranwachsende Brut sein würde, da diese ja das Becken als Kinderstube nutzen könnte.

Was tun sprach Zeus? Na klar, wir lassen das Ding ausbaggern (Achtung, dazu braucht man natürlich Genehmigungen!). Den Weg, den ehemals noch der Bagger des Kieswerksbesitzers zum Errichten dieses Platzes genutzt hatte, gab es noch, allerdings mit einer Schranke versperrt. Egal wir öffneten die Schranke dann mit dem Bagger, den uns freundlicherweise ein Gartenbauunternehmer, der auch Mitglied ist, mit samt seiner Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung stellte. Jetzt konnte es losgehen, es wurde rund um das Becken herum ein etwa 3m breiter, 1m tiefer Graben ausgehoben und somit das übermäßige Schilf und Faulschlamm entfernt. Dies hatte den positiven Effekt das in der Mitte des Beckens ein flacherer Bereich bestehen blieb auf dem immer noch Schilf und andere Pflanzen wachsen können.
Diese Maßnahme gleicht der in der Fischzucht verwendeten Dubisch - Teiche die zur Karpfenzucht herangezogen werden. Auch hier gibt es einen tieferen Graben in dem die Laichfische umherschwimmen aber nach ablaichen auch wieder ausgefangen werden können. Allerdings werden diese Teiche im Herbst abgelassen, so dass dort Gras wächst welches nächstes Frühjahr wieder geflutet wird um erneut ein Laichbecken zu bilden (nähere Erläuterungen dazu findet ihr in Zucht und Produktion von Süßwasserfischen/Bohl/Verlags Union Agrar).

Danach war unsere Arbeit eigentlich erledigt, jetzt begann das große Warten auf das kommende Frühjahr. In den flachen Bereichen und am Rand des Beckens fing dann im Frühjahr schon Gras, Schilf und andere Pflanzen an zu wachsen. Diese Bereiche sind heute im Frühjahr regelmäßig überschwemmt, die Fische selbst nahmen diese neue Gelegenheit im Frühjahr schon sehr früh an, um sich hier bedingt durch die ruhige Lage zu Sonnen. Auch Frösche, Kröten versch. Wasservögel usw. nutzen das Becken zum Ablaichen und erbrüten ihrer Eier.

Der in unseren Augen große Moment kam dann im Jahr 2004, wir konnten an einem Morgen Ende Mai, etwa 70 Karpfen bei ihrem Laichgeschäft beobachten und Fotographieren. Aber auch alle anderen Fischarten gedeihen mittlerweile prächtig, die Auswertungen unserer jährlich geführten Fangstatistiken (hier müssen auch alle untermassigen Fische die nach Fang schonend wieder zurück gesetzt werden eingetragen werden!) belegen uns eine natürliche Vermehrung von allen im See vorkommenden Fischarten, so dass wir als Verein hier keine Besatzmassnahmen mehr durchführen müssen, da sich die Natur selbst reguliert und an die Ertragsfähigkeit des Gewässers anpasst.

So, ich hoffe euch nicht gelangweilt zu haben. Vielleicht kann es der eine oder andere an seinem Vereinsgewässer ähnlich gestalten, denn irgendwo meine ich die Forderung nach nachhaltiger Gewässerbewirtschaftung gelesen zu haben! Und was ist besser als das sich die Natur wieder selbst, ohne z.B. Besatzmaßnahmen, reguliert?

Erfolgreiche Stunden am Wasser wünscht euch

Sascha Haverkamp

P.S: In unserem zweiten, kleineren Baggersee wurde mittlerweile auch ein Laichplatz geplant, genehmigt und umgesetzt in der Hoffnung, daß es sich hier ähnlich gut entwickelt!

Gebiet vor Laichplatz mit Durchlass
Karpfen beim Laichen
(C) 2006 by ASV-Jockgrim